Hattington – beklemmende Aktualität

Kann eine Theatergruppe größeren Erfolg haben, als die Zuschauer zu berühren? Sie nachdenklich und vielleicht auch ein Stück weit aus dem Gleichgewicht gebracht aus ihrem Spiel zu entlassen? 

Dies ist der Theatergruppe des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums um Lehrer und Regisseur Rolf Bernhard mit dem Stück „Bericht über Hattington“ am vergangenen Freitag in der Premiere gelungen. In der gut gefüllten Aula des LLG meinten die Zuschauer ein Spiel um ein Kurzgeschichte von Walter Jens aus den 60iger Jahren zu sehen. Die Geschichte eines entflohenen Schwerverbrechers und die Geschichte der kleinen Stadt Knox, die jetzt in Angst lebt, weil sie den Verbrecher damals verriet, ihm keinen Schutz bot und irgendwie hatte sich damals jeder schuldig gemacht, nicht juristisch, aber moralisch. So weit die Erwartungen.

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Was sie tatsächlich sahen, war von beklemmender Aktualität: die Darstellung einer unbestimmten Bedrohung, wachsendes Misstrauen, die Suche nach Sündenböcken. Schließlich der Verlust von Vertrauen in die staatlichen Institutionen, die Abkehr vom Rechtsstaat, der Weg zur Selbstjustiz. Und jeder im Publikum ahnte, statt Knox könnte hier auch Chemnitz stehen, Klöthen, Freiberg ...

Die Theater-AG des LLG brachte die Geschichte einer Stadt in Angst mit großem Engagement, ausdrucksvollem Spiel und originellen Regieeinfällen wirkungsvoll auf die Bühne. 

Hat jemand Hattington bei sich aufgenommen, nur um dessen Rache zu entgehen? Es entstehen Gerüchte, Anschuldigungen machen die Runde, es trifft die vermeintlich Schwächsten und eher Außenstehenden: Zugereiste und die, die ohne Familie leben. Nachdem zwei Verbrechen geschehen, eskaliert die Stimmung in Knox. Eine Bürgerwehr gründet sich, das Vertrauen in die staatlichen Institutionen schwindet, Pressefreiheit wird nicht mehr als demokratisches Grundrecht, sondern als Bedrohung gesehen. 

Noch gibt es Bürger, die in dem wachsenden Klima von Angst und Misstrauen besonnen bleiben, noch predigt der Pfarrer Mäßigung von der Kanzel, doch mit dem Mord an Madison, der damals Hattington verriet und nun mit einem Kainsmal auf der Stirn ermordet aufgefunden wird, kippt die Stimmung endgültig. Es ist Reverend Snyder selbst, der nun mit gefährlicher Rhetorik von der Kanzel herab die Jagd freigibt und damit alle Dämme brechen lässt. Wenn dann die Menge seiner Hassrhetorik antwortet, wie auf Kommando aufbrüllt und die Faust voller unbestimmter und doch jetzt entfesselter Wut in die Luft reißt, dann weiß auch der Letzte im Zuschauersaal, wie beklemmend real das Spiel auf der Bühne ist und wie oft in der Geschichte aus dem entfesseltem Zorn einer Menge heraus Tragödien entstanden sind.

Die Zuschauer belohnten das eindrucksvolle Spiel mit langem, herzlichem Applaus. Der Theater-AG des LLG ist mit „Bericht über Hattington“ ein gutes und ein wichtiges Stück gelungen, das nachdenklich macht, das berührt und deshalb auch wirkt.

„Hattington“ wird am Samstag, den 22. September 2018 noch einmal aufgeführt. Dann spielen die LLGler in der Doppelaufführung mit ihren italienischen Partnern aus Sezze. Beginn ist um 18:00 in der E-Aula des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums. Die italienische Gruppe führt das Stück „Die Weibervolksversammlung von Aristophanes auf.

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